Was ich nach 1000 verstopften WCs über Feuchttücher gelernt habe

Frank Hürlimann bei der Arbeit unter einem Sanitärobjekt

Was ich nach 1000 verstopften WCs über Feuchttücher gelernt habe

Ich übertreibe nicht: in den letzten Jahren habe ich im Rheintal weit

über tausend verstopfte Toiletten und Hauptstränge geöffnet. Und wenn

ich Ihnen sage, was in 80 Prozent der Fälle drin war, dann sind es

nicht Bauschutt-Reste, nicht Kinderspielzeug, nicht irgendein

exotisches Problem. Es sind Feuchttücher. Und zwar genau die, auf

deren Packung gross «biologisch abbaubar» oder «spülbar» steht.

Warum das Marketing schummelt

«Biologisch abbaubar» heisst rein technisch: das Tuch zerfällt

irgendwann. Aber irgendwann ist im Abwasserrohr zu spät.

Toilettenpapier zerfällt im Wasser innert Sekunden bis Minuten.

Feuchttücher brauchen Wochen bis Monate. Dazwischen liegen

sie in Ihrem Hausanschluss, hängen an jeder Unebenheit, fangen Haare

und Fett ein, und bilden mit der Zeit einen kompakten Pfropfen, den

ich dann mit der Spirale oder dem Hochdruck-Spülwagen herausholen muss.

Besonders bitter: das Tuch ist oft erst der Auslöser. Wenn ich den

Pfropfen herausziehe, hängen daran Kalk-Krusten und Fett, die sich

über Monate angesammelt haben. Ohne das Tuch wäre das **nie zum

echten Problem geworden**, weil Wasser und Toilettenpapier das System

laufend selbst durchspülen.

Der einfache Test mit dem Wasserglas

Wenn Sie wissen wollen, ob ein bestimmtes Tuch (oder ein Küchentuch,

ein «ökologisches» Hygienetuch, ein Make-up-Pad) in der Toilette

problematisch ist, machen Sie diesen Test:

  1. Glas mit Wasser füllen.
  2. Toilettenpapier hineinwerfen, einmal umrühren. Es zerfällt

innert Sekunden zu Brei.

  1. Daneben ein Glas mit dem Tuch, das Sie testen wollen, umrühren.

Wenn das Tuch nach einer Minute Rühren noch in einem Stück ist,

ist es nicht für die Toilette geeignet. Punkt. Egal was auf der

Packung steht.

Was Sie tun sollten

  • Feuchttücher in den Restmüll, nicht in die Toilette. Ein

kleiner Eimer mit Deckel neben dem WC tut den Job.

  • **Hygiene-Tücher, Make-up-Pads, Wattestäbchen, Slipeinlagen,

Kondome**: alle nicht ins WC, auch wenn sie «klein» sind.

  • Wenn es schon passiert ist: keine chemischen Rohrreiniger

nachschütten (dazu habe ich einen eigenen Artikel geschrieben),

sondern Wasser zudrehen und anrufen.

Was Sanitär-Profis und Kläranlagen seit Jahren sagen

Ich bin nicht der Einzige mit dieser Meinung. **Die Verbände der

Schweizer Abwasserentsorger** warnen seit Jahren öffentlich vor

Feuchttüchern, weil sie in den Pumpen der Kläranlagen

Schaltschäden in fünfstelliger Höhe verursachen. Bei Ihnen zu Hause

ist es «nur» eine verstopfte Leitung. Im Verbund ist es ein

Millionen-Problem.

Fazit

Ich verdiene mein Geld zwar mit dem Entfernen von Feuchttüchern, aber

ich verdiene es lieber mit **planbarer Wartung, Kamerainspektionen

und Hauptkanal-Spülungen**, als nachts um zwei aus dem Bett zu

müssen, weil ein einzelnes Tuch eine ganze Liegenschaft lahmgelegt

hat. Tun Sie sich, Ihrer Liegenschaft und der Kläranlage einen

Gefallen: in den Restmüll, nicht ins WC.

Bei akutem Notfall: 077 203 20 30 (24/7, ohne Aufpreis).

Mehr zur Vorgehensweise bei Verstopfungen: Rohrreinigung.

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