Warum chemischer Rohrreiniger Ihrem Sanitär-Profi das Leben schwer macht

Verstopfte Spüle in einer Wohnung — typischer Einsatz nach Rohrreiniger-Anwendung

Warum chemischer Rohrreiniger Ihrem Sanitär-Profi das Leben schwer macht

Im Supermarkt sieht es so einfach aus: eine Flasche, ein paar

Franken, «löst Verstopfungen in Minuten». Die Realität in der

Liegenschaft sieht meist anders aus. Wenn ich zu einem Einsatz

gerufen werde, frage ich als Erstes: **»Haben Sie schon etwas

nachgeschüttet?»**. Wenn die Antwort ja lautet, wird der Einsatz für

alle Beteiligten aufwendiger, teurer und gefährlicher. Hier die drei

Gründe.

Grund 1: Sie verklumpen oft, statt zu lösen

Die meisten Verstopfungen entstehen aus einer Mischung von **Fett,

Haaren, Seifenresten und Tüchern** (siehe mein anderer Artikel zum

Thema). Chemische Reiniger arbeiten mit Lauge oder Säure, die mit Fett

reagieren und es verseifen. In der Theorie soll das Fett dadurch

abfliessen.

In der Praxis trifft die Chemie selten die ganze Verstopfung. Sie

wirkt nur an der Oberseite des Pfropfens, der Rest bleibt liegen. Was

oben verseift wird, **fliesst als zähe Masse nach unten und klebt

sich an die nächste Engstelle**. Statt einer Verstopfung haben Sie

jetzt zwei, und die zweite ist tiefer und schwerer zu erreichen.

Grund 2: Die mechanische Reinigung wird gefährlicher

Wenn ich nach dem Chemie-Versuch mit der **elektrischen

Reinigungsspirale** anrücken muss, arbeite ich nicht mehr nur gegen

einen Pfropfen, sondern gegen **eine Säule aus aggressiver Lauge oder

Säure**, die im Rohr steht. Das hat drei Konsequenzen:

  • Dichtungen leiden. Gummi-Dichtungen in Siphons, Steckmuffen

und WC-Anschlüssen werden von der Chemie spröde. Was vorher ein

Verstopfungs-Einsatz war, wird nachher zusätzlich ein

Dichtungs-Tausch.

  • Werkzeuge leiden. Die Spirale ist aus Stahl, das hält sie aus.

Aber Dichtringe, Hochdruck-Düsen und Kamera-Köpfe haben

Kunststoff-Anteile, die in der Lauge angreifbar sind.

  • Spritzgefahr. Wenn die Spirale den Pfropfen löst und die

Lauge unter Druck zurückschwappt, ist das **Verätzungsrisiko für

meine Augen und Haut real**. Ich muss dann in voller Schutzkleidung

arbeiten, was länger dauert und damit teurer wird.

Grund 3: Hochdruck plus Schaum ist eine schlechte Kombination

Bei grösseren Verstopfungen kommt der Hochdruck-Spülwagen zum

Einsatz, bei bis zu 200 bar. Wenn in der Leitung noch Reste eines

schäumenden Reinigers stehen, **wirbelt der Hochdruck den Schaum auf

und drückt ihn aus jeder offenen Toilette, jedem Lavabo und jedem

Bodeneinlauf** in den Wohnbereich. Ich habe mehr als eine Küche

gesehen, die nach so einer Aktion eine Grundreinigung brauchte.

Was Sie stattdessen tun können

Bei leichten Verstopfungen (Lavabo läuft langsam, Dusche staut nur

manchmal) hilft die altmodische Methode meist erstaunlich gut:

  1. Heisses Wasser aus dem Wasserkocher, langsam in den Abfluss

giessen. Löst frisches Fett.

  1. Ein Schuss Spülmittel dazu, einwirken lassen.
  2. Saugglocke (Pümpel), ein paar Mal kräftig pumpen, mit Wasser

im Becken, damit Vakuum entsteht.

Das ist kein Marketing-Trick, das funktioniert chemisch sauber und

hinterlässt keine Rückstände, die mir später Probleme machen.

Wenn das nicht reicht: nicht zur Flasche greifen, sondern

anrufen. Eine Erst-Einschätzung am Telefon kostet nichts, und in

vielen Fällen kann ich Ihnen schon am Telefon sagen, ob es ein

schneller Spiral-Einsatz wird oder ob es Hochdruck braucht.

Fazit

Chemische Rohrreiniger sind nicht «Teufelszeug». Bei kleinen

Lavabo-Verstopfungen können sie helfen. Aber **bei einer echten

Verstopfung machen sie aus einem 30-Minuten-Einsatz oft eine

Zwei-Stunden-Aktion mit zusätzlichem Dichtungs-Tausch**. Das ist für

keinen schön. Also lieber einmal anrufen.

Bei akutem Notfall: 077 203 20 30 (24/7, ohne Aufpreis).

Mehr zum 24/7 Notfall-Service: Notfall-Rohrreinigung.

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