Was ich nach 1000 verstopften WCs über Feuchttücher gelernt habe
Ich übertreibe nicht: in den letzten Jahren habe ich im Rheintal weit
über tausend verstopfte Toiletten und Hauptstränge geöffnet. Und wenn
ich Ihnen sage, was in 80 Prozent der Fälle drin war, dann sind es
nicht Bauschutt-Reste, nicht Kinderspielzeug, nicht irgendein
exotisches Problem. Es sind Feuchttücher. Und zwar genau die, auf
deren Packung gross «biologisch abbaubar» oder «spülbar» steht.
Warum das Marketing schummelt
«Biologisch abbaubar» heisst rein technisch: das Tuch zerfällt
irgendwann. Aber irgendwann ist im Abwasserrohr zu spät.
Toilettenpapier zerfällt im Wasser innert Sekunden bis Minuten.
Feuchttücher brauchen Wochen bis Monate. Dazwischen liegen
sie in Ihrem Hausanschluss, hängen an jeder Unebenheit, fangen Haare
und Fett ein, und bilden mit der Zeit einen kompakten Pfropfen, den
ich dann mit der Spirale oder dem Hochdruck-Spülwagen herausholen muss.
Besonders bitter: das Tuch ist oft erst der Auslöser. Wenn ich den
Pfropfen herausziehe, hängen daran Kalk-Krusten und Fett, die sich
über Monate angesammelt haben. Ohne das Tuch wäre das **nie zum
echten Problem geworden**, weil Wasser und Toilettenpapier das System
laufend selbst durchspülen.
Der einfache Test mit dem Wasserglas
Wenn Sie wissen wollen, ob ein bestimmtes Tuch (oder ein Küchentuch,
ein «ökologisches» Hygienetuch, ein Make-up-Pad) in der Toilette
problematisch ist, machen Sie diesen Test:
- Glas mit Wasser füllen.
- Toilettenpapier hineinwerfen, einmal umrühren. Es zerfällt
innert Sekunden zu Brei.
- Daneben ein Glas mit dem Tuch, das Sie testen wollen, umrühren.
Wenn das Tuch nach einer Minute Rühren noch in einem Stück ist,
ist es nicht für die Toilette geeignet. Punkt. Egal was auf der
Packung steht.
Was Sie tun sollten
- Feuchttücher in den Restmüll, nicht in die Toilette. Ein
kleiner Eimer mit Deckel neben dem WC tut den Job.
- **Hygiene-Tücher, Make-up-Pads, Wattestäbchen, Slipeinlagen,
Kondome**: alle nicht ins WC, auch wenn sie «klein» sind.
- Wenn es schon passiert ist: keine chemischen Rohrreiniger
nachschütten (dazu habe ich einen eigenen Artikel geschrieben),
sondern Wasser zudrehen und anrufen.
Was Sanitär-Profis und Kläranlagen seit Jahren sagen
Ich bin nicht der Einzige mit dieser Meinung. **Die Verbände der
Schweizer Abwasserentsorger** warnen seit Jahren öffentlich vor
Feuchttüchern, weil sie in den Pumpen der Kläranlagen
Schaltschäden in fünfstelliger Höhe verursachen. Bei Ihnen zu Hause
ist es «nur» eine verstopfte Leitung. Im Verbund ist es ein
Millionen-Problem.
Fazit
Ich verdiene mein Geld zwar mit dem Entfernen von Feuchttüchern, aber
ich verdiene es lieber mit **planbarer Wartung, Kamerainspektionen
und Hauptkanal-Spülungen**, als nachts um zwei aus dem Bett zu
müssen, weil ein einzelnes Tuch eine ganze Liegenschaft lahmgelegt
hat. Tun Sie sich, Ihrer Liegenschaft und der Kläranlage einen
Gefallen: in den Restmüll, nicht ins WC.
—
Bei akutem Notfall: 077 203 20 30 (24/7, ohne Aufpreis).
Mehr zur Vorgehensweise bei Verstopfungen: Rohrreinigung.
