Starkregen Au SG: warum gerade Kellereinläufe wichtig sind
Wer im Rheintal wohnt, kennt das: ein Föhn-Sturm im Frühjahr, ein
Sommer-Gewitter im Juli, und innert einer halben Stunde fallen
Wassermengen, die das öffentliche Kanalnetz **kurzfristig
überfordern**. Wenn der Hauptkanal voll ist, gibt es nur eine
Richtung, in die das Wasser noch ausweichen kann: **rückwärts in die
Hausanschlüsse**, und dort am tiefsten Punkt heraus. Das ist in den
allermeisten Liegenschaften der Bodeneinlauf im Keller.
Welche Quartiere besonders betroffen sind
Aus der täglichen Praxis im Rheintal sind das die Strassenzüge, in
denen ich am häufigsten zu Starkregen-Einsätzen gerufen werde:
- Widnau, Bachstrasse und Umgebung: tiefliegend, direkt am
Werdenbergerkanal.
- Diepoldsau, Hofstrasse und angrenzende Quartiere: alte
Mischwasser-Kanalisation, schnell überlastet.
- Berneck, Hangfuss-Quartiere am Rosenberg: das Wasser läuft vom
Hang in die untersten Liegenschaften.
- Au SG, einzelne Strassen in Richtung Rhein: ähnliche Lage wie
Widnau.
Wenn Sie in einem dieser Bereiche wohnen, **planen Sie nicht für den
Normalfall, sondern für das Gewitter, das einmal in fünf Jahren
kommt**.
Was Sie im Moment des Rückstaus tun sollten
Wenn aus dem Bodeneinlauf im Keller plötzlich Wasser drückt:
- **Strom raus, wenn Wasser sich im Bereich von Steckdosen oder
Geräten ansammelt.** Sicherung im Keller-Verteiler ausschalten,
bevor das Wasser den Sockel erreicht.
- Keine Abflüsse mehr benutzen. Toilette nicht spülen, Lavabo
nicht laufen lassen, Waschmaschine sofort stoppen. Jeder zusätzliche
Liter, den Sie ins System geben, drückt unten stärker zurück.
- Sofort anrufen. Bei Starkregen sind wir meist schon unterwegs
im Rheintal, je früher Sie sich melden, desto schneller sind wir
bei Ihnen.
- Wenn möglich Wasser eindämmen, mit alten Handtüchern eine
Schwelle zur Tür bauen, damit es nicht in die Wohnung läuft.
Nicht mit dem Nasssauger gegen den Rückstau ansaugen, das hilft
physikalisch nicht, der Hauptkanal ist die Ursache, nicht Ihr Keller.
Was wir bei einem Rückstau-Einsatz machen
- Hochdruck mit Spezialdüse, um den Bodeneinlauf und den
Anschluss zur Hauptleitung freizuspülen.
- Kamerafahrt im Anschluss, um zu sehen, ob noch Sand, Laub oder
ein dauerhaftes Hindernis im Schacht sitzt.
- Empfehlung zur Rückstauklappe, falls in Ihrer Liegenschaft
noch keine sitzt. Die ist gesetzlich für tiefliegende Sanitäranlagen
vorgeschrieben, in der Praxis aber oft nicht oder defekt vorhanden.
Präventiv: einmal im Frühjahr durchspülen
Mein dringender Rat, gerade an Verwaltungen und Eigentümer in den
oben genannten Quartieren: **einmal im Frühjahr, vor der
Gewitter-Saison, alle Bodeneinläufe und Hofabläufe durchspülen
lassen**. Das ist eine Sache von wenigen Stunden, kostet einen
Bruchteil eines Schaden-Einsatzes und verhindert genau den Moment,
in dem das Wasser an einem Sonntagabend im Wohnzimmer steht.
Im Frühjahr sammeln sich über den Winter Laub, Sand vom Streudienst
und Tannennadeln in den Schächten. Wenn dann der erste Mai-Regen
kommt, ist es zu spät. **Spülung im März oder April ist der richtige
Zeitpunkt.**
Versicherung: Doku ist Ihre beste Freundin
Wenn es trotzdem zum Schaden kommt: fotografieren Sie alles,
bevor Sie aufräumen. Wasserstand, beschädigte Möbel, durchnässte
Wände, betroffene Räume. Die Gebäude- und Hausratversicherung will
das später sehen. Ich stelle Ihnen auf Wunsch nach dem Einsatz eine
schriftliche Bestätigung der Ursache aus, das hilft bei der
Schadensregulierung.
Fazit
Starkregen im Rheintal ist **keine Naturkatastrophe, sondern ein
planbares Ereignis**. Wer in einem tiefliegenden Quartier wohnt, weiss
es. Mit einer jährlichen Spülung und einer funktionierenden
Rückstauklappe sind die meisten Schäden vermeidbar. Die paar Franken
Vorsorge ersetzen keine Versicherung, aber sie ersparen Ihnen den
Sonntagabend mit Pumpe und Nasssauger im Keller.
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Bei akutem Notfall: 077 203 20 30 (24/7, ohne Aufpreis).
Mehr zur regelmässigen Kanalspülung: Kanalreinigung.
